Kunst und Kontemplation

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Ästhetische Einfühlung und Kontemplation
1. Einfühlung
2. Innere Nachahmung
3. Ästhetische Sympathie
4. Kontemplation
5. Ästhetisches Wahrnehmen
6. Kontemplativer Seelenzustand
7. Einfühlung überwindet Form

Nicht nur in menschliche Gebärden, Mienen, Bewegungen kann ich mich einleben und einfühlen. Die menschliche Seele kann sich und ihre Zustände in Daseinsformen hinüber- und hineinversetzen, die an und für sich nichts mit dem bislang gewussten zu tun haben.
"Alle Äußerungen meines ureigenen ICH, alle Lebensformen und Bestimmtheiten meiner Seele, meine Gefühle, Stimmungen, Affekte, Strebungen, Leidenschaften usw. finde ich auch in der anorganischen Natur wieder. Aus allen Teilen der Umwelt blickt mich eine Seele an - meine Seele."

Durch das Einfühlen in Farben, Formen und ruhende Formen, gerät das Sinnliche in Bewegung. Einfühlung ist ein vertiefter seelischer Vorgang. Zustande kommt er, wenn innerste Gefühle wach werden und tastend die Seele des Objekts sucht und findet, weil Formen Willenstätigkeiten sind. Ein Herausfühlen ist immer leichter, wenn körperliches Mitgehen vorhanden ist. Wenn man allerdings nicht beständig am eigenen Körper diese Erfahrungen erneuert, dass bestimmte Gebärden Gemütsbewegungen entsprechen, verblassen diese.

Eine andere Art von Einfühlung liegt vor, wenn uns aus den Geräuschen der Natur Töne entgegen klingen, wenn Naturgebilde sich als beseelte Wesen in ihrer eigenen Weise zu äussern scheinen:

  • flüsternde Blätter
  • der plaudernde Bach
  • der grollende Donner
  • der heulende Sturm
  • der pfeifende Wind
  • die funkelnden Sterne
  • Auch eine rein akustische Einfühlung ist möglich, wenn sich Stimmungen wie Heiterkeit oder Schwermut, Sanftheit oder Wildheit, Gebundenheit oder Freiheit unmittelbar mit den Tönen, ohne Vermittlung von Erfahrungswissen, einstellen. Gefühlsreaktionen verdeutlichen den affektiven Charakter des Wahrnehmungsvorganges, denn sie basieren auf den eigenen Gemütsbewegungen.

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    2. Innere Nachahmung

    Im ästhetischen Verhalten „leihen„ wir uns Gefühle, etwas entsteht somit für unser Bewusstsein durch die Wahrnehmung. Alles, was ein Objekt an „Seele„ hat, stammt aus unserem eigenen ICH. Es muss ein sehr inniges Zusammensein dieser seelischen Vorgänge angenommen werden, wenn geradezu ein Verschmelzen von Anschauen und Fühlen eintritt.
    Gerade das Gefühlsmässige, das Mystische im Wesen des Ästhetischen (Naturmystik) und damit sein Wesentlichstes und Bestes würde fehlen, wenn wir uns mit der Assoziation begnügen müssten. Das eigene Lebensgefühl, das persönliche Mit-dabei-sein, ergibt nicht die Assoziation, sondern der Akt des Einfühlens. Alles muss zunächst intuitiv hineingelegt, intim hineingefühlt werden. Verschmelzung ist eine Wirkung, eine besondere Weise des Zusammenseins im Bewusstsein. Falls dazu im Innern die Persönlichkeitsbedingungen gegeben sind, wird das eigene Erleben reproduziert.

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    3. Ästhetische Sympatie

    Nur dadurch, dass ich meinen inneren Zustand „erlebe„, „verstehe„ ich die Gebärde des Anderen. Das ist Einfühlung.
    Ästhetischer Reflex
    Aus der Tiefe steigt alles allmählich empor, was vom Tierischen bis zum Göttlichen reicht. Dies alles können wir ästhetisch erleben.

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    4. Kontemplation

    Der eizigartige Seelenzustand der Kontemplation ist die Versenkung.
    Zunächst beflügelt Kontemplation oder Beschauung einen Zustand, in dem sich die Seele, allen äußeren Eindrücken entzogen, mit ihren eigenen Vorstellungen, Begriffen und Gefühlen beschäftigt. Die intensive Hingabe an ein Objekt, wie sie der intime Einfühlungsakt verlangt, kann zwar zur Kontemplation führen, doch sind die beiden psychischen Erlebnisse so verschiedenartig, dass man den Begriff der Einfühlung für den Zustand der Versenkung, der Kontemplation nicht einsetzen darf.
    Die Kontemplation ist geruhiges Schauen. „Man gelangt in diesen Zustand mit Hilfe einer ekstatisch-mystischen Verzückung, die den ganzen Organismus des Menschen ergreift und umgestaltet.„(Plotin)
    Die Mittel, um in diesen Zustand zu geraten sind sehr verschieden. Bald sind sie narkotischer Natur, bald ist es Selbsthypnose. Arthur Schopenhauer benutzte diesen Begriff zur Beschreibung des tiefen ästhetischen Erlebens. „Was in der kontemplativen Hingabe erlebt wird, ist mit Worten nicht auszusprechen. Der, welcher die Einheit von ICH und WELT erlebt, der über die Vielheit des ICH, über das Spiel der Sinne gehoben ist, der ist auch von der Sprache geschieden, die ihm nicht folgen kann. Sprache ist Erkenntnis, Erkenntnis der Nähe und Ferne, der Empfindung und der Idee, aber das Erleben der EINHEIT ist kein Erkennen.„
    Weil nun im Zustande des Schauens die Sprache versagt, so wird der kontemplative Genuss meisst negativ beschrieben. Friedrich Schiller weist auf die „Wirklichkeitsentrückung„ als den Mittelpunkt des Ästhetischen hin. Wilhelm v. Humboldt sagt, das Wirkliche wird in ein Bild verwandelt.
    Wir begreifen die Welt, indem wir sie nach uns selbst deuten, und wir genießen die Welt als schön, wenn sie im Einklang steht mit unserem Wesen. In der uns umgebenden Welt nehmen wir uns selbst wahr, genießen wir uns selber. Das amtropomorphe Denken bespiegelt sich in der gesamten Natur, wie Narkissos sich im Quell bespiegelt und liebt. Das ICH nimmt ein AUCH-ICH wahr. Das ist die durchaus gefühlsmässige, nicht verstandesmässe Art der kindlichen Weltanschauung. Im Markus- und im Lukasevangelium wird dies ausführlicher geschildert: „Habt ihr denn immer noch nicht begriffen? Wer nicht wie ein kleines Kind voller Vertrauen zu Gott kommt, dem bleibt das Reich Gottes verschlossen.„ Ganz offensichtlich haben Kinder den Erwachsenen in Gottes Augen etwas voraus: Lebhaftigkeit, Neugier, Offenheit für alles Neue, Spontaneität, Vertrauen und Anhänglichkeit, Unschuld und Schutzlosigkeit, Gefühlsoffenheit. Sind das nicht gerade die Eigenschaften, die Erwachsene irgendwann abgelegt haben? Diese Wesenszüge scheinen aber in Gottes Augen einen hohen Stellenwert zu haben. Sie verdeutlichen das Urvertrauen.

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    5. Ästhetisches Wahrnehmen

    Suche ich beim Genuss eines Gedichtes die Seelenstimmung des Dichters nachzuerleben, vertiefe ich mich in den Anblick des Bildes oder einer Statue, betrachte ich ein künstlerisches Bauwerk, lasse ich durch ein Tonstück mein Gefühlsleben wecken, so interessiert mich lediglich das ästhetische Objekt. Die Beschäftigung mit dem Kunstwerk ruft nicht mein Wollen, mein Begehren wach, weckt keinen Verwirklichungsdrang, nötigt mich nicht zur Abwehr, mein Wille lebt sich nicht zentrifugal aus. Dies entspricht Nietzsches Spott über die „Ästhetik des ausgehängten Willens„, einer Ästhetik des Rausches, des erhöhten Machtgefühls, der Grausamkeit usw. . Denn, Interesse ist nichts als ein Gefühl der Lust, hervorgebracht durch ein harmonisches Zusammengehen des gegenwärtig im Bewusstsein hervorgerufenen Eindrucks mit früher erworbenen und jetzt geweckten Vorstellungen. Ist der Betrachter dem Kunstwerk liebevoll zugewendet, nimmt er teil an der Stimmung, die es weckt, an der Handlung, die es darstellt.
    Die willensartigen Strebungen, die dem reichen, vom Kunstwerk geweckten Gefühlsleben entspringen, das Sehnen nach Hohem und Edlem, das Grauen vor den Rätseln des Daseins '8211; alle diese Momente haben ihren Zweck in sich selbst, verfolgen noch keine praktischen Ziele, haben keine Beziehung zur ausserästhetischen Wirklichkeit. Sie sind wie ein Feuer, das leuchtet, wärmt, nach innen glüht, aber nicht nach aussen überspringt, nicht zündet. Diese Scheinwelt hat nur die Bedeutung „seelisches Funktionieren„ auszulösen, ein Scheincharkater. Soweit ich persönlich nicht betroffen bin, kann ich eine Krankenstube, einen Brand, ein gefährliches Unwetter ästhetisch betrachten. Die armseligsten Bettelknaben kann ich auf einem Bilde rein ästhetisch geniessen. Sähe ich sie leibhaftig vor mir, würde sich zumindest die künstlerische Betrachtungsart trüben.
    Der Kunst gegenüber fällt es uns leicht, ja versteht es sich ganz von selbst, dass wir bei den Gefühlen der Teilnahme alles Wirklichkeitsinteresse beiseite lassen. Bewunderung tritt in den Vordergrund.
    Lebendiges Streben setzt sich nur bei Kindern, Naturmenschen und bei Darstellern im Theater durch. Für gewöhnlich sind so viele und starke Hemmungen vorhanden, dass die Vorstellung eine Vorstellung bleibt. Somit entsteht die Forderung, dass alle künstlerischen Gegenstände soweit aus der Wirklichkeit herausgehoben werden müssen, dass die Erinnerung an die Wirklichkeit ganz entschwindet.

    Während die Natur mit dem unendlichen Ganzen beziehungsreich verknüpft ist, werden die Statue durch ihren Sockel, das Bild durch seinen Rahmen aus der Sphäre der Wirklichkeit herausgehoben. Der Künstler unterstützt uns, durch ästhetische Betrachtung vom Alltag wegzukommen.

    Mit klarem und schärferen Auge erfasst ein Künstler, mehr als jeder andere Mensch, die Welt um sich herum. Mit tieferem, reicherem Empfinden, verarbeitet er die empfangenen Eindrücke. Und dadurch, dass er seine Kunstwerke rein hält, vermag er unseren Blick auf das Grosse, Typische, Wesenhafte, Sinnvolle des Daseins zu lenken. Das Denken bringt Begriffe hervor, das künstlerische Schaffen Typen!

    Die ästhetische Wirklichkeit rückt dem, der in ihr lebt, nicht so hart auf den Leib, wie die praktische Wirklichkeit es tut. Sie gestattet ihm eine schärfere Konzentration auf die beherrschenden Vorstellungen und ruft in ihm Weltgefühle wach, die das Typische im Menschenschicksal und Weltgeschehen zum Inhalt haben.

    Das ästhetische ICH entsagt allem Wirklichkeitsdrang, aller praktischen Bestätigung, gibt sich voll und ganz dem gefühlerfüllten Schauen hin, lebt sich rein in die Betrachtung einer über die kleinliche Wirklichkeit hinaus sich erhebende künstlerische Wirklichkeit, emporgehoben in eine Welt höheren, idealeren Seins.

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    6. Kontemplativer Seelenzustand

    Sosehr die Einfühlung über die praktische Wirklichkeit hinauszugehen vermag, der Seelenzustand, den die Kontemplation erfordert, ist mit ihr noch nicht gegeben. Die Kontemplation erfordert ein Verlassen der Form (lt. Schopenhauer) und des relativen Erkennens. Es erfolgt ein Erlöschen aller Objekt- und Subjekterfahrungen. Das Erlöschen ist ein Schwinden des ICH-Gedankens. Der praktische Wille ist nicht mehr in Aktion. Das unaufhörliche Wogen und Weben der Gedanken, das Auf- und Abbeben von Gefühlen ist in der kontemplativen Seele zum Stillstand gekommen. Das willentliche Denken wird ausgeschaltet.

    In dieser höchsten Spannung intellektueller Erregung ist also die Seele von solch einer übermächtigen Vorstellung beherrscht, dass sie nicht daneben dem sonst allbereiten ICH-Gedanken Raum zu geben vermag. Ermöglicht wird diese Verdrängung des ICH-Gedankens und die Herrschaft der Vorstellung durch das Zurücktreten der Gemeinempfindungen, des Gefühlslebens, des Willens. Das das Ich-Bewusstsein sich in ekstatischen Zuständen verflüchtigt, ist eine häufig beobachtete Tatsache. Jede Intelligenz leistet im Augenblick tiefer Kontemplation das Höchste, was sie leisten kann.
    Der Mystiker erlebt das Absterben der Dinge der Welt und den Genuss Gottes, der Buddist geht ins Nirwana ein, der Philosoph erhebt sich vor der Erkenntnis einzelner Dinge zur Erkenntnis der Idee, dem Dichter erscheint der Erdgeist.

    Während der Verzückung erstirbt das Wort. Die ästhetische Anschauung ist die tiefste und wahrste Erkenntnis vom eigentlichen Wesen der Welt (lt. Schopenhauer), wenngleich sie mit dem Nachteil behaftet ist, nicht durch Lehre und Worte, sondern allein durch Kunstwerke mittelbar zu sein, also anschaulich.

    Das bedeutende Kunstwerk entsteht in einer überempirischen Sphäre genialer Anschauung. Die Idee nimmt Gestalt an oder kleidet sich in Worte oder Töne, um in seltenen Weihestunden vom Nichtkünstler noch einmal erlebt zu werden. Einfühlung überwindet dann die Form.

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    7. Einfühlung überwindet Form

    Kontemplation ist ein transzendentales Erlebnis. Hier verliert sich die Seele im Unendlichen. Es gibt kein Innen und kein Aussen. Künstler und Betrachter kommen zurück zum naiven Weltbild.


    Erkenne dich selbst, sonst erkennt dich keiner!
    Erkenne Dich selbst, beherrsche Dich selbst, vervollkommne Dich selbst!
    Die Inschrift des Apollotempels in Delphi Erkenne Dich selbst diente dem Sokrates als Ausgangspunkt seiner Philosophie.
    Bild aus dem Sachsenland

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